Fausthieb, Schubser, Messerattacke - Die Körperverletzung unter der Lupe

Die Körperverletzung stellt in unserem Kanzleialltag die am häufigsten verwirklichte Straftat dar. Die Verwirklichung des Straftatbestandes kann dabei auf vielfältige Weise erfolgen. Sicherlich am Häufigsten sind tätliche Auseinandersetzungen in Form von Schlägereien. Es galt aber für uns auch schon einem Mandanten zu helfen, der beschuldigt war, eine andere Person vergiftet zu haben. Auch ein unvorsichtiges Öffnen der Autotür, so dass ein Radfahrer zu Sturz kommt, kann den Straftatbestand der (fahrlässigen) Körperverletzung erfüllen. Wegen der Häufigkeit von Strafanzeigen wegen Körperverletzung soll genauer auf dieses Delikt eingegangen werden. Sollte bereits ein Ermittlungsverfahren gegen Sie wegen Körperverletzung laufen, so sollten Sie sich schnellstmöglich mit einem Fachanwalt für Strafrecht in Verbindung setzen.

Die Körperverletzung als Straftat

Die Körperverletzung gilt mitunter zu Unrecht als Kavaliersdelikt. Je nach erfüllter Tatbestandsvariante ist nämlich mit nicht unerheblichen Strafen zu rechnen. Regelungen zu Körperverletzungsdelikten finden sich in den §§ 223 ff. Strafgesetzbuch (StGB). Das geschützte Rechtsgut ist die körperliche Unversehrtheit und Gesundheit eines anderen Menschen. Der Straftatbestand kann durch eine sog. körperliche Misshandlung oder durch eine sog. Schädigung der Gesundheit erfüllt werden. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist unter „körperlicher Misshandlung“ jedes üble und unangemessene Behandeln zu verstehen, das entweder das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt. Unter einer „Gesundheitsschädigung“ ist dagegen jedes Hervorrufen oder Steigern eines pathologischen Zustandes zu verstehen. Eine Körperverletzung ist schließlich vorsätzlich erfolgt, wenn der Täter zumindest billigend in Kauf nimmt, dass der tatbestandliche Erfolg (die Verletzung eines anderen Menschen) eintritt. 


Häufig sind aber auch die Fälle, in denen jemand gar nicht möchte, dass durch sein Handeln eine andere Person zu Schaden kommt. Dennoch wird eine Person verletzt, z.B. im Rahmen eines Autounfalls oder einer Behandlung durch einen Arzt. Gerade im Straßenverkehr oder bei ärztlichen Behandlungen möchte niemand einem anderen bewusst schaden. Wenn aber die zumutbare und mögliche Sorgfalt in einem Moment außer Acht gelassen wird und es dann zu Verletzungsfolgen kommt (beispielsweise wird eine Vorfahrtsregelung übersehen oder eine indizierte weitere Untersuchungshandlung unterlassen), kann eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung auf die betroffene Person zukommen. Diese Fälle von sogenanntem „Augenblicksversagen“ können erheblich belasten, gerade weil die betroffene Person niemals eine Straftat begehen wollte. Aber auch für die Opfer sind solche Straftaten oft mit erheblichen Folgen verbunden. Sollten Sie selbst in eine solche Situation geraten, wenden Sie sich daher am besten schnellstmöglich an einen Anwalt, der Sie rechtlich beraten und emotional unterstützen kann.

Was ist der Unterschied zu schweren und gefährlichen Körperverletzungen sowie anderen Varianten?

Das Gesetz normiert in § 224 StGB die gefährliche und in § 226 StGB die schwere Körperverletzung. Bei erstgenanntem Delikt geht es darum, dass der Täter seine Tat mit gefährlichen Mitteln begeht, also zum Beispiel mit Waffen, Gift oder gemeinschaftlich in einer Gruppe. Schwere Fälle liegen hingegen vor, wenn ein spezieller Taterfolg eintritt, welcher auf der Tathandlung beruht und für das Opfer besonders schwere Folgen hat. Beispiele hierfür sind etwa der Verlust eines Beines, des Sehvermögens oder der Fruchtbarkeit. Schließlich normiert § 227 StGB die Körperverletzung mit Todesfolge; eine sog. Erfolgsqualifikation der Körperverletzung. Gerade im Bereich der Körperverletzung mit Todesfolge ist in der wissenschaftlichen Literatur vieles umstritten – die Gerichte verlangen einen sog. unmittelbaren Zurechnungszusammenhang der Körperverletzung und der Todesfolge; hieran kann es fehlen, wenn der Geschehensablauf zwischen Körperverletzung und Todesfolge außerhalb der allgemeinen Lebenserfahrung liegt und sich als Verkettung unglücklicher Umstände darstellt.

Was ist der Unterschied zu schweren und gefährlichen Körperverletzungen sowie anderen Varianten?

Oben wurden die einfache vorsätzliche sowie die fahrlässige Körperverletzung beschrieben. Ferner sind im Gesetz die gefährliche und schwere Körperverletzung geregelt, diese bauen auf § 223 StGB auf. Bei erstgenanntem Delikt geht es darum, dass der Täter seine Tat mit gefährlichen Mitteln begeht, also zum Beispiel mit Waffen, Gift oder gemeinschaftlich in einer Gruppe. Schwere Fälle liegen dahingegen vor, wenn ein spezieller Taterfolg eintritt, welcher auf der Tathandlung beruht und für das Opfer besonders schlimm ist. Beispiele hierfür sind etwa der Verlust eines Beines, des Sehvermögens oder der Fruchtbarkeit.


Daneben existiert noch die Körperverletzung mit Todesfolge. Hierbei kommt es unter Juristen regelmäßig zu Meinungsstreits, denn im Rahmen dieses Tatbestandes muss der Tod einer Person in unmittelbarem Zusammenhang mit der Körperverletzung stehen. Dies ist oftmals nicht ganz einfach zu bestimmen. Denn wie sieht es beispielsweise aus, wenn der Täter sein Opfer ohne Tötungsvorsatz im Treppenhaus schlägt, der Geschlagene daraufhin weglaufen will, hierbei über die Treppenstufen stolpert und daraufhin tödlich stürzt? Hier hat der Täter dem Opfer ja eigentlich "nur" einen Fausthieb verpasst, es jedoch nicht vorsätzlich die Treppenstufen hinuntergestoßen. 


Wie dieser Fall oder ähnlich gelagerte Situationen aufzuklären sind, erklärt Ihnen unser Experte für Kapitalstrafrecht der Kanzlei Schulte Holthausen in Braunschweig und Salzgitter im Rahmen eines persönlichen Gesprächs.

Kapitalstrafrecht - Was ist die Strafe für Körperverletzungen?

Hierbei kommt es darauf an, welche Körperverletzungsvariante - einfach, schwer, gefährlich, mit Todesfolge, fahrlässig – gegeben ist. Der Strafrahmen gestaltet sich im Normalfall wie folgt:

  • § 223 StGB (einfache Körperverletzung) Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe

  • § 224 StGB (gefährliche Körperverletzung) Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren

  • § 226 (schwere Körperverletzung) Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren

  • § 227 (Körperverletzung mit Todesfolge) Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren

  • § 229 (fahrlässige Körperverletzung) Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe

Für die konkrete Straferwartung innerhalb des genannten Strafrahmens kommt es stets auf den individuellen Einzelfall an. Damit Ihre Strafe so niedrig wie möglich ausfällt und zumindest sämtliche strafmildernde Gesichtspunkte geltend gemacht werden, berät Sie unser Rechtsanwalt für Kapitalstrafrecht der Kanzlei Schulte Holthausen in Braunschweig und Salzgitter gerne ausführlich zu Ihren Möglichkeiten.

Fragen zum Strafrecht? - Ein Rechtsanwalt der Kanzlei Schulte Holthausen klärt auf

Falls Ihnen eine Körperverletzung zur Last gelegt wird, sollten Sie diesen Tatvorwurf ernst nehmen. Sie sollten sich von einem Rechtsanwalt für Kapitalstrafrecht beraten lassen, noch bevor Sie bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft irgendeine Aussage tätigen. Es sollte zunächst Akteneinsicht genommen werden und es sollten die denkbaren Verteidigungsmöglichkeiten mit Ihnen besprochen werden. Erst danach kann eine Entscheidung dahingehend getroffen werden, ob und in welcher Form eine Einlassung gegenüber den Ermittlungsbehörden erfolgen soll. Wenden Sie sich also bereits im Ermittlungsverfahren an unsere Kanzlei in Braunschweig, Salzgitter und Umgebung.