Sexualstrafrecht - Die verschiedenen Ausprägungen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Was bedeutet sexuelle Selbstbestimmung?

Auf dem Begriff der "sexuellen Selbstbestimmung" fußen alle Straftatbestände, die zum Sexualstrafrecht zählen. Die sexuelle Selbstbestimmung leitet sich aus Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes und damit aus dem Gedanken ab, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist. Umfasst sind sowohl die Entfaltung der eigenen sexuellen Identität und Orientierung als auch die freie Partnerwahl beim Geschlechtsverkehr unter Erwachsenen sowie der Schutz vor sexuellen Übergriffen verbaler und nonverbaler Art. Jedermann darf also grundsätzlich frei über seine Sexualität bestimmen.
Diese Freiheit endet jedoch dort, wo die Rechte anderer Personen beginnen. Besonders geschützt sind zudem Kinder.

Was beinhaltet das Sexualstrafrecht?

Zum Sexualstrafrecht gehören alle Straftaten, welche sich gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht richten und denen eine sexuell motivierte Handlung zugrunde liegt. Regelungen hierzu finden sich vordergründig im 13. Abschnitt des Strafgesetzbuches (StGB). Hierin geht es vor allem um

  • sexuellen Missbrauch (siehe etwa §§ 174 ff. StGB)
  • sexuelle Nötigung und Vergewaltigung (siehe §§ 177, 178 StGB)
  • sexuelle Belästigung (siehe § 184i StGB)
  • Pornografie (siehe etwa § 184 StGB) 
  • Delikte im Zusammenhang mit Prostitution (siehe etwa § 180a StGB)
  • den Jugendschutz gefährdende Straftaten (siehe etwa § 184 Absatz 1 Nr. 1)


Das Sexualstrafrecht kann aber auch außerhalb des 13. Abschnitts eine Rolle spielen. So etwa bei der Beleidigung gemäß § 185 StGB, wenn sexualisierte Ausdrücke benutzt werden. Das Sexualstrafrecht ist für Laien etwas unübersichtlich und besteht aus vielen verschiedenen Normen. Falls Sie weitergehende Fragen haben, so wenden Sie sich gerne an einen Rechtsanwalt unserer Kanzlei Schulte Holthausen in Salzgitter oder Braunschweig.

Welche Altersgrenzen gibt es im Sexualstrafrecht?

Wenn im Sexualstrafrecht von "Altersgrenzen" oder "Schutzalter" gesprochen wird, geht es um die Frage, ab welchem Alter eine Person in die Vornahme oder Ausführung sexueller Handlungen einwilligen kann; wann sie also sexualmündig ist.
Generell gilt, dass in Deutschland alle sexuellen Handlungen an Kindern, also an Menschen unter 14 Jahren, unter Strafe stehen und auch trotz einer (vermeintlichen) „Einwilligung“ des Kindes strafbar sind. Dies ist § 176 Absatz 1 StGB zu entnehmen, der für sexuellen Missbrauch an Kindern ein Strafmaß von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorsieht. Kommt es hierbei beispielsweise zum Eindringen in den Körper des Kindes oder erfolgt eine schwere Gesundheitsschädigung, so kommt sogar der schwere sexuelle Missbrauch gemäß § 176a StGB in Betracht. Hierbei handelt es sich um ein Verbrechen.


Aber auch ab einem Alter von 14 Jahren bleiben Minderjährige vor sexuellen Übergriffen in besonderem Maße geschützt. Dies ergibt sich etwa aus § 182 StGB, der beispielsweise sexuelle Handlungen an oder durch unter 18-Jährige gegen Geld unter Strafe stellt. Zudem wird bestraft, wer mit einer Person unter 16 Jahren sexuell aktiv wird und hierbei die fehlende Fähigkeit der sexuellen Selbstbestimmung des oder der Minderjährigen ausnutzt.

Was zählt zum sexuellen Missbrauch?

Bei Straftaten wie der Vergewaltigung, exhibitionistischen Handlungen oder der sexuellen Belästigung wird stets gegen den Willen des Opfers gehandelt. Eine Sexualstraftat kann aber auch trotz der Einwilligung des Opfers zu einer Bestrafung führen, nämlich dann, wenn das Opfer besonders schützenswert und sich der Tragweite seiner Einwilligung nicht bewusst ist oder wenn es in einer besonderen Beziehung zum Täter steht. Die vermeintliche Einwilligung wird also vom Täter durch Ausnutzen der Schutzbedürftigkeit des Opfers oder seiner besonderen Stellung herbeigeführt.
Ein Beispiel hierfür ist etwa der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen aus § 174 StGB. Hierbei geht es darum, dass beispielsweise durch Erzieher, Vorgesetzte, Ausbilder oder Eltern sexuelle Handlungen an Minderjährigen vorgenommen werden bzw. dass Minderjährige solche Handlungen bei den genannten Personen ausführen müssen. Hierauf steht ein Strafmaß von drei Monaten bis zu fünf Jahren. 


Weitere Beispiele für Normen rund um den sexuellen Missbrauch sind etwa:

  • Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung, § 174b StGB
  • Sexueller Missbrauch von Kindern, § 176 StGB
  • Sexueller Missbrauch von Jugendlichen, § 182 StGB

Rechtsanwalt Schulte Holthausen - Wenden Sie sich vertrauensvoll an unsere Kanzlei in Braunschweig

Wird gegen Sie in einem Ermittlungsverfahren wegen der oben bezeichneten Straftaten ermittelt oder liegt gar bereits eine Anklage vor, so nehmen Sie jederzeit Kontakt zu uns auf, damit wir eine individuelle Verteidigungsstrategie entwickeln können. In unserer Kanzlei stellt außerdem die Geschädigtenvertretung und der Zeugenbeistand einen wesentlichen Bestandteil unserer Tätigkeit dar. Falls Sie also das Opfer einer Sexualstraftat geworden sind, so zögern Sie trotz dieses sehr persönlichen und sensiblen Themas nicht, sich mit unserer Kanzlei Schulte Holthausen in Braunschweig oder Salzgitter in Verbindung zu setzen. Gemeinsam können wir das weitere Vorgehen besprechen und den Täter anzeigen. Selbstverständlich stehen wir Ihnen während des gesamten Strafprozesses stets zur Seite.