Turbo-Einbürgerung abgeschafft: Was jetzt gilt
Autor: Rechtsanwalt Quoc Tuyen Duong · Stand: Oktober 2026Kurzantwort: Die Turbo-Einbürgerung ist nicht mehr möglich. Die Einbürgerung schon nach drei Jahren bei besonderen Integrationsleistungen (§ 10 Abs. 3 StAG a. F.) wurde Ende Oktober 2025 abgeschafft. Seitdem gilt grundsätzlich für alle: Eingebürgert werden kann in der Regel erst, wer seit fünf Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat (§ 10 Abs. 1 StAG).
Für Familien gibt es weiterhin eine Erleichterung: Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner und minderjährige Kinder können miteingebürgert werden, auch wenn sie noch keine fünf Jahre in Deutschland leben (§ 10 Abs. 2 StAG). Im Folgenden erfahren Sie, was jetzt gilt, wie Sie Ihr Verfahren beschleunigen können und welche Regeln für die Turbo-Einbürgerung bis Oktober 2025 galten.
Rechtsanwalt Quoc Tuyen Duong
Ausländerrecht und Einbürgerung · Kanzlei Schulte-Holthausen
„Nach unseren Erfahrungswerten dauern Einbürgerungsverfahren ohne anwaltlichen Beistand häufig 18 bis 40 Monate. Mit anwaltlichem Beistand sind sie oft in weniger als einem Jahr abgeschlossen. Sobald uns die unterzeichnete Vollmacht vorliegt, kontaktieren wir die Ausländerbehörde ungefähr alle 4 bis 5 Wochen. Dieser Rhythmus hat sich bewährt: Bei selteneren Nachfragen geht unnötig Zeit verloren. Häufigere Nachfragen bringen erfahrungsgemäß keinen Mehrwert und können die Sachbearbeiter eher verärgern.“
Hinweis: Dies sind Erfahrungswerte aus unserer Kanzleipraxis. Jeder Fall ist anders. Eine bestimmte Bearbeitungsdauer können wir nicht zusagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Turbo-Einbürgerung bezeichnete die besonders schnelle Einbürgerung nach 3 Jahren bei besonderen Integrationsleistungen. In dieser Form gab es sie von Juni 2024 bis Oktober 2025.
- Rechtsgrundlage: § 10 Abs. 3 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) a. F. Die Vorschrift ist inzwischen weggefallen.
- Abschaffung: Der Bundestag hat am 08.10.2025 für die Abschaffung gestimmt. Sie gilt seit Ende Oktober 2025.
- Was jetzt gilt: Einbürgerung in der Regel nach 5 Jahren rechtmäßigem gewöhnlichem Aufenthalt (§ 10 Abs. 1 StAG). Die bisherige Staatsangehörigkeit müssen Sie grundsätzlich nicht mehr aufgeben.
- Familie: Ehegatten, eingetragene Lebenspartner und minderjährige Kinder können miteingebürgert werden, auch ohne 5 Jahre Aufenthalt (§ 10 Abs. 2 StAG).
- Empfehlung: Reichen Sie einen vollständigen Antrag ein. Bei einem Antrag aus der Zeit vor der Abschaffung oder bei langen Wartezeiten ist anwaltliche Beratung dringend anzuraten.

Was gilt jetzt statt der Turbo-Einbürgerung?
Einbürgerung nach fünf Jahren
Seit der Reform vom 27.06.2024 können Sie nach fünf Jahren rechtmäßigem gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland eingebürgert werden (§ 10 Abs. 1 StAG). Ihre bisherige Staatsangehörigkeit müssen Sie dafür grundsätzlich nicht mehr aufgeben. Eine kürzere Frist für besondere Integrationsleistungen gibt es nicht mehr. Daneben müssen Sie unter anderem diese Voraussetzungen erfüllen:
- geklärte Identität und Staatsangehörigkeit
- ein passendes Aufenthaltsrecht: ein unbefristetes Aufenthaltsrecht (zum Beispiel eine Niederlassungserlaubnis), eine Blaue Karte EU oder bestimmte Aufenthaltserlaubnisse. Eine Aufenthaltserlaubnis zum Studium oder zur Ausbildung reicht zum Beispiel nicht.
- Lebensunterhalt grundsätzlich ohne Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII (mit wenigen Ausnahmen)
- keine Verurteilung wegen einer Straftat; geringe Strafen bleiben nach § 12a StAG in der Regel außer Betracht (mehr dazu: Einbürgerung trotz Vorstrafe)
- Deutschkenntnisse auf Niveau B1 und Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung, in der Regel nachgewiesen durch den Einbürgerungstest
- Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und zur besonderen historischen Verantwortung Deutschlands
Alle Voraussetzungen im Detail finden Sie in unserem Ratgeber Einbürgerung in Deutschland. Was sich 2024 sonst geändert hat, lesen Sie im Beitrag zur Reform des Einbürgerungsgesetzes.
Miteinbürgerung von Ehegatten und Kindern
Wenn Sie selbst die Voraussetzungen erfüllen, können Ihr Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner und Ihre minderjährigen Kinder mit Ihnen eingebürgert werden. Sie müssen dafür noch nicht fünf Jahre in Deutschland leben (§ 10 Abs. 2 StAG). Die übrigen Voraussetzungen gelten für sie aber grundsätzlich auch. Bei Kindern unter 16 Jahren genügt für die Sprache eine altersgemäße Entwicklung (§ 10 Abs. 4 StAG). Die Gebühr beträgt 255 € pro Person, für miteingebürgerte minderjährige Kinder ohne eigene Einkünfte 51 € (§ 38 StAG).
So können Sie das Verfahren beschleunigen
Eine Einbürgerung nach drei Jahren gibt es nicht mehr. Sie können aber dafür sorgen, dass Ihr Antrag nicht unnötig lange liegt. Nach unserer Erfahrung verzögern sich viele Verfahren, weil die Behörden stark ausgelastet sind und weil Anträge nicht richtig ausgefüllt oder Unterlagen nicht vollständig eingereicht sind. Deshalb:
- Lassen Sie vor dem Antrag prüfen, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind und alle Unterlagen vorliegen.
- Reichen Sie den Antrag vollständig und richtig ausgefüllt ein.
- Vermeiden Sie im laufenden Verfahren nach Möglichkeit einen Wechsel der zuständigen Behörde, etwa durch einen Umzug, und den Verlust Ihrer Arbeitsstelle. Was banal klingt, ist in der Praxis entscheidend.
- Fragen Sie regelmäßig, aber nicht zu oft nach. Wir halten einen Abstand von etwa 4 bis 5 Wochen ein.
- Setzen Sie die Untätigkeitsklage gezielt ein. Sie ist in der Regel frühestens drei Monate nach Antragstellung möglich (§ 75 VwGO) und kein Allheilmittel. In bestimmten Fällen ist es sinnvoll, sie zumindest anzudrohen.
Die Turbo-Einbürgerung bis Oktober 2025
Was war die Turbo-Einbürgerung?
Die Turbo-Einbürgerung war eine besondere Form der beschleunigten Einbürgerung. Sie ermöglichte es von Juni 2024 bis Oktober 2025, deutsche Staatsbürgerin oder Staatsbürger nach bereits drei Jahren Aufenthalt zu werden – unter der Voraussetzung, dass außergewöhnliche Integrationsleistungen nachgewiesen werden konnten.
Diese Integrationsleistungen umfassten zum Beispiel:
- Deutschkenntnisse auf C1-Niveau
- überdurchschnittliche berufliche oder gesellschaftliche Leistungen
- freiwilliges Engagement, z. B. in Vereinen oder Ehrenämtern
Das Ziel dieser Regelung war es, Menschen mit starker Bindung an Deutschland schneller in die Gesellschaft einzubinden und den Einbürgerungsprozess zu beschleunigen. Die Bezeichnung „Turbo-Einbürgerung“ war dabei kein offizieller juristischer Begriff, sondern wurde durch Medien und Politik geprägt.
Wann wurde die Turbo-Einbürgerung abgeschafft?
Im Rahmen der Staatsangehörigkeitsrechtsreform 2024 wurde die Turbo-Einbürgerung in dieser Form eingeführt. Die Diskussion um die Turbo-Einbürgerung in Deutschland hatte politische und gesellschaftliche Dimensionen. Befürworter sahen in ihr einen wichtigen Schritt zur Integration und zur Anerkennung von Leistung. Kritiker warnten jedoch vor einer „Entwertung der Staatsbürgerschaft“. Verschärft wurden die Diskussionen um die Turbo Einbürgerung mit dem Regierungswechsel Anfang des Jahres 2025. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der SPD einigten sich die Parteien auf die Abschaffung der Turbo Einbürgerung.
Am 8.10.2025 hat der Bundestag für die Abschaffung der Turbo Einbürgerung gestimmt. Seit Ende Oktober 2025 ist die Regelung (§ 10 Abs. 3 StAG a. F.) weggefallen. Seitdem gilt grundsätzlich wieder für alle eine Voraufenthaltszeit von fünf Jahren.
Ist die Turbo-Einbürgerung noch möglich?
Nein. Seit Ende Oktober 2025 gibt es die Einbürgerung nach drei Jahren nicht mehr. Ein neuer Antrag, der sich auf die verkürzte Frist stützt, hat keine Aussicht auf Erfolg. Wenn Sie die fünf Jahre noch nicht erfüllen, lohnt es sich trotzdem, die übrigen Voraussetzungen schon jetzt zu prüfen und die Unterlagen vorzubereiten. Dann kann der Antrag zum richtigen Zeitpunkt vollständig gestellt werden.
Antrag schon vor der Abschaffung gestellt? Ob über einen solchen Antrag noch nach altem Recht entschieden werden kann, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf den Einzelfall an. Lassen Sie den Stand Ihres Verfahrens prüfen, auch mit Blick darauf, ob Sie die fünf Jahre inzwischen erfüllen. Wurde Ihr Antrag bereits abgelehnt, gilt für Widerspruch oder Klage in der Regel eine Frist von einem Monat. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite Einbürgerung abgelehnt: Was Sie jetzt tun können.
Fazit
Die sogenannte Turbo-Einbürgerung war ein Symbol für Integration durch Leistung – sie zeigte, dass Engagement und Anpassung honoriert werden. Nach nicht einmal anderthalb Jahren wurde sie wieder abgeschafft. Indes fragt sich im Hinblick auf das ursprüngliche Ziel der Turboeinbürgerung, die Zuwanderung für Fachkräfte - vor allem solche, die in Mangelberufen wie der Pflege tätig werden könnten – attraktiver zu machen, nicht eine alternative Lösung zweckmäßiger gewesen wäre. Anstelle der gänzlichen Abschaffung der Turboeinbürgerung hätte man beispielsweise eine (schnellere) Einbürgerung für Fachkräfte vorsehen können. Die Politik hat sich jedoch für die gänzliche Abschaffung der Turboeinbürgerung entschieden. Das heißt: Seit Ende Oktober 2025 erfordert die Einbürgerung wieder grundsätzlich für jedermann mehr Geduld und eine rechtmäßige Voraufenthaltszeit von mindestens fünf Jahren.
Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann nach unserer Erfahrung mit einem vollständigen Antrag und einer gut begleiteten Kommunikation mit der Behörde viel Zeit sparen. Ob die Voraussetzungen bei Ihnen vorliegen, besprechen wir gern in einer kostenlosen telefonischen Erstberatung. Eine Erstberatung vor Ort in unseren Büros in Salzgitter oder Braunschweig kostet 119 € (brutto). Wir beraten auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Mehr zu unserer Unterstützung finden Sie auf den Seiten Anwalt für Einbürgerung und Einbürgerung in Braunschweig, Salzgitter und Umgebung.


